Die Geierwally | Rood Verlangen

Die Geierwally

Die schwerblütige Geschichte um eine Hoferbin, genannt die „Geierwally“, die sich dem Willen ihres tyrannischen Vaters widersetzt und die Verbannung in die Einsamkeit der Bergwelt einer erzwungenen Ehe mit einem charakterlosen Erbschleicher vorzieht, ist wiederholt verfilmt worden und gipfelte in einer grotesken Klamotte von 1986, die Kultstatus erreichte. 1921 Verfilmte E.A. Dupont die Romanvorlage von Wilhelmine von Hollern mit Henny Porten, die Geierwally mit zugleich glühender Leidenschaft und großem Gespür für die vielen Facetten dieser eigenwilligen Frau verkörpert. Ihre Liebe zum stolzen und starrsinnigen „Bärenjosef“, die tragischen Verwicklungen, die beinahe alle ins Unglück stürzen, die erhabene Bergwelt – der Film strotzt vor großen Gefühlen und erstaunt dabei immer wieder mit einem für die damalige Filmkunst ungewöhnlichen Realismus, unterstützt durch die Authentizität der Außenaufnahmen. Schon die zeitgenössische Kritik bejubelte den Stummfilmklassiker unter den Heimatfilmen. Nicht nur die naturalistischen Aufnahmen einer echten Schneelawine und Bärenjosefs Kampf mit dem ausgebrochenen Dorfstier, vor allem Henny Portens Spiel begeisterte – auch heute noch: »Wenn die Geierwally sagt: Ich liebe – dann liebt die wirklich. Das ist eine Sache fürs Leben. Das mit dem Bärenjosef. Aber sie hat in diesem Film noch etwas anderes zu tun als zu lieben. Und dieses andere, das Hassen, das macht die Geier-Henny wunderbar.«

(Bühne und Film, 1921)